Au Pair in Namibia - ein Erfahrungsbericht
Juni / Juli:
Als ich auf dem Flughafen von Windhoek
landete, stellte ich mir meine Au Pair Zeit
ungefähr so vor: Das Land entdecken,
jeden Tag reiten, viel Freizeit und ... naja ...
nebenbei dann eben die Kinder. Dass die 4
Mädchen viel mehr Zeit in Anspruch
nehmen würden, als ich vermutete, merkte ich jedoch schon kurz
nach meiner Ankunft auf der Wildfarm bei Okahandja, die für die
nächsten 9 Monate mein zu Hause sein sollte.
Zelda war 6 Jahre alt und träumte Tag und
Nacht davon, eine Prinzessin zu sein.
Danna war 4 und hatte
Leukämie.
Anika war 2 und einfach nur unkompliziert.
Sie liebte Wasser über alles und nannte von
kleinster Pfütze bis zum Ozean alles
"Dümmbad" (aus dem Atlantik bei
Swakopmund wurde übrigens "Goßes
Dümmbad!!!").
Und Tara war 1 und hatte für ihr Alter
einfach einen zu großen Dickkopf.
Zu den Eltern der Kinder hatte ich am wenigsten Kontakt. Der
Vater war häufig zum Wildfang unterwegs und deshalb nur
selten zu Hause und dann oft sehr launisch; die Mutter hatte ihr
Büro zwar in der Nähe des Wohnhauses, aber nun ja, sie arbeitete
eben und hatte auch wenig Zeit für ihre Kinder. So waren diese
von der Entwicklung her recht zurückgeblieben und kannten
wenig Erziehung. Anfangs war es daher ein hartes Stück Arbeit,
auch nur etwas Ordnung in die Tagesabläufe der Bande
hineinzubringen, und so manches Mal war ich kurz davor
aufzugeben und nach Deutschland zurückzukehren.
Tagsüber arbeitete noch Leena im Haus, die
sich um Haushalt und Essen kümmerte. Sie
brachte mir in ihrer geduldigen Art etwas
afrikaans bei und war auch sonst die "Gute
Seele" im Haus.
Zelda, Danna und Anika gingen vormittags
in den deutschen Kindergarten in
Okahandja. Das war auch die einzige
Freizeit, die ich hatte, wenn Tara dann 2
Stunden "Mittagsschlaf" hielt. Ansonsten
war ich vom Aufstehen bis zum "Gute-Nacht-Sagen" immer mit den
Kindern zusammen. Nachmittags unternahmen wir Ausflüge auf
der Farm oder spielten gemeinsam im Garten.
So sah unser Tagesablauf aus.